Spirit of Fuerteventura

Fuerteventura Reiseführer & Lifestyle Magazin

Klimatischen Bedingungen und deren Einfluss auf die Zivilisation.
Die alten Zivilisationen waren stark abhängig von allgemeinen und lokalen klimatischen Bedingungen und ihren Veränderungen, wegen deren offensichtlichem Einfluss auf Ernte, Trinkwasser für Vieh und sich selbst, und der Art zu wohnen. Daher sind viele - wenn nicht alle - wichtigen Initiativen der Zivilisationen und ihrer Herrscher – bezüglich Technik, Kultur, Migration, Krieg - eng verbunden mit langsamen oder plötzlichen Veränderungen im Klima.

  • 2-civ-antiguas.JPG
  • migraciom.JPG

Die großen alten Kulturen lagen rund um das Mittelmeer und Mesopotamien wegen der Fülle von Wasser und den günstigen klimatischen Bedingungen. Im 12. Jahrhundert vor Christus hatten eine Reihe von großen Dürren Auswirkungen auf den östlichen Mittelmeerraum, und diese könnten zum Zusammenbruch der späten Bronzekultur geführt haben, so dass in einem Zeitraum von ca. 50 Jahren fast alle bedeutenden antiken Städte von Griechenland bis Ägypten der Zerstörung anheim fielen. Die Geschichte von Troja fällt in diesen Zeitraum. Diese Verwüstung führt zu einem Zerfall aller sozialer Strukturen für die kommenden 2-3 Jahrhunderte weil die Grundlage dieser Zivilisationen - sesshafte Landwirtschaft - aufgegeben wurde und durch Wanderhirtentum ersetzt wurde.
Vom 9. Jahrhundert vor Christus an veränderte sich das trockene Klima zu einem subatlantischen Klima - einem wärmeren und feuchteren Wettersystem -, das zu mehr Wohlstand und neuen Entwicklungen in den Bereichen rund um das Mittelmeer führt. Das alte Rom beginnt mit der Gründung Roms im Jahre 753 vor Christus und die athenische Demokratie begann in Griechenland in 508 vor Christus.

Die Phönizier, eine maritime Handelskultur und Überlebende im Chaos.
In seiner "Geschichte", die im 5. Jahrhundert vor Christus geschrieben wurde, erwähnt Herodot dass der Ursprung der Phönizier an der Erythräischen See lag, genauer in Bahrain.
Die Phönizier waren kein klar definiertes Volk mit einem gut definierten Besiedlungsgebiet, sondern eher eine Ansammlung von unternehmerischen Gruppen - in Stadtstaaten lebend -, die sich auf Handel zwischen verschiedenen Orten konzentrierten, vor allem zu den umliegenden Reichen wie das der Hethiter und der Ägypter. Die Phönizier verteilten sich über die Mittelmeerregion, von 1500 vor Christus bis 300 vor Christus, und siedelten vor allem an der Küste des heutigen Libanons, Israels und Syriens. Sie gründeten Kolonien im Rest des Mittelmeerraums, sogar bis nach Marokko und Spanien.
Die Phönizier verwendeten Segelschiffe mit Rudern, und die Erfindung der Bireme, eines Schiffs mit zwei Ruderreihen - eine über der anderen – wird ihnen zugeschrieben.
Sie wurden von den Römern und den Griechen als "Händler in Purpur" bekannt, da sie das Monopol des edlen, purpurroten Farbstoffs der Murex Schnecke hatten, verwendet für königliche, zeremonielle und Oberklasse-Kleidung. Phoenicia bedeutet "Land des Purpurs" im Griechischen. Sie erfanden auch das Buchstaben-Alphabet, das sie auf ihren Reisen verbreiteten.
Ihren Höhepunkt in Kultur und Wohlstand erreichten sie zwischen 1200 - 800 vor Christus, und alles begann mit dem Untergang der mykenischen, hethitischen und ägyptischen Reiche im sogenannten spätbronzezeitlichen Kollaps, als sie das Machtvakuum in den benachbarten Reichen füllten, und Hafenstädte gründeten. (Man kann die gleiche Art der Transformation von Imperien in isolierte Stadtstaaten erkennen nach dem Fall des Römischen Reiches, was zu den mittelalterlichen feudalen Stadtstaaten geführt hat.) Der phönizischen Gesellschaft lagen drei Gewalten zugrunde: König, Priester und ihre Tempel, und der Rat der Ältesten. Diese kulturelle Eigenart ist von Bedeutung, wie wir später sehen werden.
Die Stadt Byblos, im Norden des heutigen Libanon, wird das erste Zentrum der Macht, von wo aus sie das Mittelmeer und das rote Meer dominieren. Später folgten die Städte Tyrus und Sidon und diese erhöhten ihre Macht, so dass manchmal die Phönizier Tyrener oder Sidonier genannt wurden, je nachdem, welche Stadtstaat die Oberherrschaft hatte.
Der phönizische Einfluß auf den östlichen Mittelmeerraum wurde nach der Eroberung durch Kyros dem Große im Jahr 539 vor Christus reduziert. Es wird angenommen, dass viele der phönizischen Einwohner nach Karthago abwanderten, das nicht besiegt wurde. Von hier aus behielten die Phönizier die Kontrolle über den Handel mit Purpur, Eisenerz und Edelmetallen, bis Rom es in 146 vor Christus zerstörte.
Die Römer übernahmen schließlich dieses lukrative Geschäft mit dem purpurroten Farbstoff; archäologische Ausgrabungen auf Lobos in 2012 brachten eine römische Siedlung zu Tage, die speziell errichtet worden war, um den Farbstoff aus heimischen Schnecken zu extrahieren. Nach vorläufiger Datierung der Grabestelle scheint der Ort für mindestens eine Saison von 6 Monaten bewohnt gewesen zu sein, zwischen dem ersten Jahrhundert vor und nach Christus. Auf dem Gelände wurden bisher über 70.000 Muscheln gefunden.

Die Phönizier, ein multinationales Handelsunternehmen.
Es gibt fast kein Qualitätsprodukt, mit dem die Phönizier nicht handeln: feines Leinen, Baumwolle, Korallen, Smaragden, Rubine, Wein, Wolle, Getreide, Honig, Melisse, (Oliven-) Öl, Gewürze, Weihrauch, Zimt, Ladanum, Gold, Silber, Zinn, Kupfer, Blei, Elfenbein, Ebenholz, Pferde, Maultiere, Messing, Schmuck, Glas, Spiegel, Teppiche, Perlen, Papyrus, Keramik, Sklaven und nicht zuletzt und vor allem: Purpur.
Die Phönizier handelten zunächst mit den Griechen. Handelsware war Holz, Glas, Sklaven und Tyrischem Purpur, ein violett-lila Textil-Farbstoff für die Eliten, der von der Murex Meeresschnecke stammt. Diese gab es reichlich in den Küstengewässern des östlichen Mittelmeers, aber bald war sie fast ausgestorben wegen Überfischung. Um den Einkommensfluss am laufen zu halten und um ihr Monopol aufrechtzuerhalten, starteten sie eine Vielzahl von Expeditionen, um Alternativen zu finden und zu entwickeln. So ergibt sich eine wilde Jagd auf purpurrote Farbstoffe, die zu einem zweiten Zentrum für die Farbstoffproduktion in Mogador (Essaouira im modernen Marokko) geführt hat. Man wird nicht ein Produktionszentrum errichten, wenn es nicht in der Mitte einer profitablen Gegend liegt. Nach Ägypten verkauften sie Zedernholz und Wein, und von denen kauften sie Gold an. Spanien lieferte Zinn und Silber.
Um sich weiterhin als "Händler aller Händler" zu positionieren, gründeten sie Handelsaußenposten für ihre Waren für den Transport, und Verkaufsstellen ihrer Waren. Sie sandten Expeditionen, um neue Möglichkeiten zu entdecken, und eine dieser Expeditionen wurde von Hanno dem Seefahrer geführt (6. bis 5. Jahrhundert vor Christus), der die Atlantikküste von Afrika bis, wie angenommen wird, zum Golf von Guinea erkundete. Während dieser Expedition müssen sie die Kanarischen Inseln besucht haben, weil sie über deren Existenz wussten, wie man ja auch den Teide auf sehr klaren Tagen von einigen erhöhten Punkten an der marokkanische Küste sehen kann.
Hier ist ein Teil der Geschichte über die Hanno Expedition, von Herodot (480-425 BC) aufgeschrieben:

"Die Karthager sagen uns, dass sie mit einem Volk Handel treiben, das in einem Teil Libyens jenseits der Säulen des Herakles (Straße von Gibraltar) lebt. Bei Erreichen dieses Landes entladen sie ihre Waren, ordnen sie am Strand entlang, und dann, wieder in ihren Booten, lassen sie Rauch aufsteigen. Sehen die Einheimischen den Rauch, kommen sie an den Strand und legen eine bestimmte Menge Gold im Austausch für die Waren auf den Boden, dann gehen Sie wieder auf Abstand. Die Karthager gehen dann wieder an Land und werfen einen Blick auf das Gold; und wenn sie denken, es wäre ein fairer Preis für ihre Waren, sammeln sie ein und gehen davon; wenn auf der anderen Seite es zu wenig erscheint, gehen sie zurück an Bord und warten, und die Eingeborenen kommen und fügen mehr Gold dazu, bis sie zufrieden sind. Es herrscht perfekte Ehrlichkeit auf beiden Seiten; die Karthager berühren das Gold nicht, bis es sich im Wert ausgleicht mit dem, was sie zum Verkauf angeboten haben, und die Eingeborenen berühren die Ware nicht, bis das Gold eingesammelt wurde."

Purpurfarbe: die Murex Schnecke.
Die Murex ist eine mittelgroße, räuberische tropische Meeresschnecke. Älteste Fossilien stammen von vor etwa 125 Millionen Jahren. Die Murex ist ausschließlich eine Indo-Pazifik Gattung, und die Meeresschnecke, die im Mittelmeer zu finden ist, wird der Gattung Haustellum zugeordnet. Beide produzieren Purpur, aber auch andere Gattungen machen ähnliche Arten von Farbstoff. Die Hexaplex trunculus und die Haustellum brandaris können im westlichen Marokko und den Kanarischen Inseln gefunden werden, und erzeugen den Indigo-Farbstoff, während die Bolinus brandaris violett-roten Farbstoff produziert. Eine weitere rot-violett farbgebende Gattung ist die Hunde-Wellhornschnecke (Nucella lapillus), die auf felsigen Flussmündungen der Atlantischen Küste gefunden werden kann.
Der Farbstoff - zu diesem Zeitpunkt genannt Tyrisches Lila, Tyrisches Rot, königliches Purpur, kaiserlicher Purpur - wurde in der Antike für königliche Roben, zeremonielle und rituelle Kleidung und Kleidungsstücke für hochrangige Personen eingesetzt. Es wurde sehr geschätzt, da es nicht im Sonnenlicht verblasst - im Gegenteil, es wurde noch intensiver und konnte sich im Farbton geringfügig ändern. Da der Produktionsprozess schwierig und arbeitsintensiv war, war sein Preis sehr hoch. Es wurde bald ein Statussymbol und seine Verwendung war auf die "Happy Few" beschränkt.
Die Farbsubstanz, ein organische Bromverbindung, wurde von den Schnecken benutzt, um ihre Beute ruhig zu stellen und um ihre Eier oder sich zu schützen. Die Menge der Sekretion pro Schnecke ist minimal, man benötigt ca. 12.000 Schnecken um 1,4g Reinfarbstoff zu erzeugen.
Die Produktion war arbeitsintensiv, um die Drüse, die den Farbstoff produziert zu extrahieren, lässt man sie für drei Tage einweichen bis sie zerfällt, dann kocht man alles mit mäßiger Hitze zehn Tage lang. Danach wird das Textil (Wolle) im heißen Saft etwa 5 Stunden getränkt und schließlich wird dieser Einweich-Prozess wiederholt, bis die Farbe zufriedenstellend ist. Die Zersetzungsphase erzeugt einen schrecklichen Geruch und dringt in die Haut der Färber ein und ist so nachhaltig, dass - nach einer alten ägyptischen Chronik - der Talmud jeder Frau das Recht auf Scheidung von einem Mann gibt, der Färber nach der Heirat wurde! Frauenrechte vor 3000 Jahren!

Die Phönizier, die ersten Besucher auf Fuerteventura?
Die Phönizier waren sehr geschickt im Bau seetüchtiger Schiffe, haben bestehende Konzepte verbessert und sogar Schiffe mit neuen Konzepten entwickelt. Sie entwickelten die Bi- und Triremen, Segelschiffe mit zwei oder drei Reihen von Rudern auf jeder Seite. Eine Reihe zählte 15-25 Männer. Mit dieser Innovation, waren sie nicht mehr allein von der Richtung des Windes abhängig, und konnten so jeden Ort ihrer Planung ansteuern. Sie hatten zwei Arten von Schiffen: ein Kriegsschiff und ein Handelsschiff.
Letzteres war von einer breiten, runden Konstruktion mit einem Mast und einem Rahsegel. Darüber hinaus konnten sie mit ihren Schiffen relativ einfach auf Sandstrände anlanden wenn schweres Wetter erwartet wurde, und sie dann wieder zu Wasser lassen. Sehr wichtig ist es eben auch, dass diese Schiffe in der Lage waren, gegen Wind und Strömung zu fahren, weil sie auch durch Ruderkraft angetrieben wurden. Die Strömungen um die Kanarischen Inseln herum treiben in der Regel Schiffe nach Südwesten und Westen, vorbei an der Inselgruppe und in den offenen Atlantik. Frühere Zivilisationen, wie die nordafrikanischen Berberstämme, verfügten nicht über diese "Lenk- und Kraft-Eigenschaften" auf ihren Booten. Die Phönizier wussten über die Nutzung des Polarsterns für die Navigation und erstellten wahrscheinlich Log-Bücher und Karten während ihrer Expeditionen. Unglücklich für uns, wurden diese Karten und Bücher geheim gehalten, und die Kopien der Expeditionen wurden so bearbeitet, dass niemand nützliche Informationen für eine Wiederholung herauslesen konnte.

Hanno der Seefahrer war ein solcher Forscher, aus Karthago stammend. Nach dem Verfall der phönizischen Macht im östlichen Mittelmeer durch die Eroberung Kyros des Großen im Jahre 539 vor Christus wanderte die verbleibende phönizische Bevölkerung nach Karthago aus, die einzige Kolonie, die nicht erobert wurde. Von hier aus begannen sie Initiativen, um den Verlust auszugleichen. Zwischen dem 6. und 5. Jahrhundert vor Christus segelte Hanno mit 60 Schiffen los um die Westküste Afrikas zu erforschen und zu besiedeln. Er gründete und besiedelte sieben Kolonien im heutigen Marokko. Die Expeditionen an der westafrikanischen Küste hatten als Ziel den Kauf von Elfenbein und Elefanten-, Löwen-, Leoparden- und Hirschhäute. Auf dem Weg zu diesen Orten konnten sie an Lanzarote und Fuerteventura zwischenstoppen, auf der Suche nach Gelegenheiten - in diesem Fall Farbstoff von einheimischen Weichtieren und von Orchille, einer Pflanze, die eine rötliche Farbe produziert. Bei der Suche nach diesen Gelegenheiten konnten sie sicherlich nicht die Expedition lang genug unterbrechen um genug verkaufbare Ware zu erhalten. So ist die Entscheidung offensichtlich, einige Siedler zurückzulassen, die den Rohstoff sammelten und für den nächsten Transport aufbereiteten und ihn für andere Waren tauschten. Eine Siedlung von 20 - 30 Personen hätte ausgereicht, um die Aufgabe zu erfüllen, und diese wäre in der Lage, in den primitiven Bedingungen und mit knapper Wasserversorgung zu überleben.
Nach Plinius dem Älteren - einem bekannten Historiker des 1. Jahrhunderts nach Christus - besuchte Hanno der Seefahrer die Inselgruppe, fand sie aber unbewohnt, obwohl er Ruinen großer Gebäude sah. Wenn dies korrekt die Situation schildert, die Hanno vorgefunden hat, dann muss es zuvor Siedlungen gegeben haben.

Hiram I., der phönizische König von Tyrus, der von 980- 947 vor Christus regierte und unter dem die Stadt Tyrus - ein Satellit von Sidon - die wichtigste Stadt wurde, wurde der Eigentümer eines großen Handelsimperiums, wegen seiner politischen und unternehmerischen Fähigkeiten. Das Reich erstreckte sich vom roten Meer über Mesopotamien, Arabien, Ägypten bis nach Nordafrika. Diese Art von Persönlichkeit hätte sicherlich angeordnet über bekannte Grenzen hinaus zu erkunden und könnte somit zur ersten Bevölkerung des Archipels, und genauer von Fuerteventura, beigetragen haben. Darüber hinaus unterdrückte er einen Aufstand in der ersten Tyrischen Kolonie in Nordafrika, und vielleicht transportierte er die Rebellen auf die Inselgruppe während einer der nächsten Expeditionen. (Warum Menschen töten, die kompetent sind wertvolle Farbstoffe zu produzieren? Besser, sie dahin auszusetzen, wo sie gebraucht werden können und keine Bedrohung mehr darstellen). Das würde mit einigen Funden auf Fuerteventura zusammenpassen, die später in diesem Artikel beschrieben werden.

Was gut dokumentiert ist, ist der Transport von nordafrikanischen Gefangenen - Gegner des römischen Reiches - auf die Kanarischen Inseln zwischen 50 - 0 vor Christus von König Juba II von Numidien, einem treuen Vasallen von Rom. Er ordnete auch die Wiedereröffnung der Farbstoff- Anlage in Mogador (Essaouira im modernen Marokko) und die Erforschung der Kanarischen Inseln an. Das würde zu der kürzlichen archäologischen Entdeckung auf Lobos passen - ein Meilenstein in der Geschichte der Insel.

Wer brachte die Ziege?
Tatsache ist, dass Ziegenknochen auf Fuerteventura gefunden wurden, die mit der der C14 Methode auf ca. 3.000 Jahre alt datiert wurden. Und es kann nicht nur eine einzige Ziege gewesen sein denn die statistische Wahrscheinlichkeit, diese eine zu finden tendiert gegen null. Also, es muss schon eine Menge von Ziegen auf der Insel herumgelaufen sein, um Reste von diesen durch Zufall zu finden. Allerdings bedeutet diese Feststellung nicht, dass Fuerteventura von da an bevölkert war. Aber jemand muss diese Ziegen auf der Insel zurück gelassen haben, auch wenn nur als Versicherung für härtere Zeiten oder Katastrophen. Die Frage ist, "wer wäre in der Lage gewesen, die ersten Ziegen auszusetzen?" Wenn wir zurückzählen, dann müssen die Ziegen auf Fuerteventura irgendwo um 1000 vor Christus ausgesetzt worden sein. Dies stimmt überein mit dem Höhepunkt der phönizischen Kultur und Seemacht unter Hiram I, dem unternehmerischen König.

Wer gravierte das Bild des phönizischen Schiffs?
Im Barranco von Tinojay kann man eine Menge von alten Gravuren von Seeschiffen sehen. Einer von ihnen soll die Silhouette eines phönizischen Schiffes darstellen. Ein Barranco stellt Wasser, Nahrung und Schutz bereit und war vermutlich die Heimat der einheimischen Bevölkerung. Von hier aus sahen diese Schiffe vorbeikommen und sogar anlanden, auf der Suche nach Nahrung und Wasser. In der Nähe dieses Barrancos gibt es zwei mögliche Landeplätze, die noch besichtigt werden können: El Jablito und Playa de los Valdivias.

Migration durch Abschiebung.
Migration von Einzelpersonen, kleiner Gruppen oder sogar ganzer Populationen gab es zu allen Zeiten. Der Hauptgrund für diese Migrationen war immer die Erwartung, die Situation zu verbessern, im Vergleich zu der, die zurückgelassen wurde: Hungersnot, Dürre, Epidemien, Konflikten, Krieg. Es bedurfte auch einige Fähigkeiten und Ausdauer, um das Ziel zu erreichen.
Die vorherrschenden Windrichtungen und Strömungen rund um die Kanarischen Inseln scheinen die Möglichkeit mutiger Expeditionen primitiver Gruppen von Personen auszuschliessen, da sie nicht ihr Ziel erreichen oder die Reise überleben könnten. Die Notwendigkeit einer entsprechenden Schiffstechnik, Navigationstechnik und Segelkenntnisse deutet auf Initiativen einer Bevölkerung auf hoher kultureller und technologischer Ebene hin. Doch der Mangel an Entdeckungen (bis heute) von Zeugnissen einer solchen höheren Zivilisationsstufe auf dem Archipel weist nur auf eine primitive Zivilisation hin. Dieser Widerspruch kann nur gelöst werden unter der Annahme, der Transport von Personen mit einem einfacheren Niveau der kulturellen Entwicklung von einer weiter entwickelten Organisation - Abschiebung. Diese Art von Einwanderung passierte möglicherweise - und wahrscheinlich - in mehreren Wellen, die nächste Welle vernichtete vielleicht die Einflüsse der vorhergehenden, einschließlich genetischer Abdrücke.
(Eine gemeinsame Tendenz der Einwanderungswellen ist, dass die neueren grösser an Zahl von Personen sind, und damit wird der Wettbewerb zwischen den Bewohnern und Neuankömmlingen zugunsten der letzteren entschieden, meisstens, vor allem bei Männern. Wir sehen diese Dynamik im genetischen Einfluss der letzten großen Einwanderung während der europäischen Kolonisation: die weiblichen indigenen Linien scheinen sich bis heute im Gegensatz zu den männlichen Linien zu erhalten, die fast vollständig von europäischen Linien ersetzt wurden).

Andere Elemente von Bedeutung.
Es war durchaus üblich für einfache alte Zivilisationen ehemalige Baumaterialien, Werkzeuge, Waffen und Landwirtschaftsgeräte wiederzuverwenden für gegebene oder für neue Zwecke, einfach wegen deren Knappheit. Daher ist es häufig der Fall, dass man keine Spuren von früheren Kulturen wiederfindet. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, dass eine Einwanderungswelle vollständig jede Spur von einer früheren Welle auslöscht.

Die Dekoration der Keramik des Maxos zeigte geometrische Muster, die ähnlich denen der Phönizier sind, obwohl diese Entwürfe sich auch in anderen Zivilisationen finden. (Vielleicht, weil die Phönizier diese Entwürfe rund um den gesamten Mittelmeerraum eingeführt haben?).

Die Tatsache, dass Hanno der Seefahrer keine Menschen auf den Kanarischen Inseln während seiner Reise antraf bedeutet nicht, dass diese Inseln unbewohnt waren. Selbst Gadifer de la Salle, der Expeditions-Begleiter des Jean de Bethencourt im 15. Jahrhundert, hatte anfangs eine schwere Zeit, um Bewohner auf Fuerteventura zu finden. Primitive Menschen neigen dazu, sich aus Angst zu verbergen, wenn unbekannte Wesen sich in eindrucksvollen Booten zeigen.

Die Gesellschafts-Struktur der Maxos ist ziemlich identisch mit der von den alten Phöniziern: König, Priester und Rat der Ältesten. Auf der anderen Seite ist diese Struktur nicht exklusiv für die Phönizier.

Es zeigt sich, dass interinsulare Kontakte zwischen den Bewohnern der einzelnen Inseln selten waren, daher kann eine Migration von einer Insel zu einer Nachbarinsel ausgeschlossen werden.

Schlussfolgerung.
Neugier, Kühnheit, Ideenreichtum und Grausamkeit der alten Bevölkerung rund um das Mittelmeer sollte nie unterschätzt werden, wenn Macht und Wohlstand auf dem Spiel steht. Keine Hürde schien zu schwierig, um nicht genommen zu werden, kein Ziel zu weit, um hinzureisen. Das Hauptkriterium ist "Was kann ich daraus machen?" Wenn ein Standort eine sehr positive Antwort auf diese Frage bieten kann, dann wird es ein wichtiges Ziel werden, sonst - im besten Fall, wird es nur ein Mittel, um das ultimative Ziel zu erreichen.
Die Kanarischen Inseln scheinen zum ersten Mal vor ein paar tausend Jahren besucht worden zu sein, und sie wurden nicht als ein Ort, der eine große Menge an Möglichkeiten bietet eingeschätzt – wegen der Knappheit der Materialien von Interesse – wurden aber doch mehr als einen vorübergehenden Zwischenstopp angesehen um Lebensmittelvorräte aufzufüllen oder um unerwünschte Elemente loszuwerden. Dennoch verkleinert dies nicht die Bedeutung der archäologischen Funde; es setzt nur die Bedeutung der Kanarischen Inseln in diesem Zeitrahmen in die richtige Perspektive.

Eine Hypothese - basierend auf den Fakten oben und auf der freien, wenn auch nicht albernen Phantasie meinerseits - ist, dass Fuerteventura in alten Zeiten in mindestens drei wichtigen Wellen besucht worden ist:

1. Welle: unter König Hiram I (980-947 vor Christus), der unternehmerischen König, fanden große Expeditionen statt um neue Möglichkeiten zu entdecken, auch vorbei der Straße von Gibraltar. Fuerteventura wurde dann entdeckt und später möglicherweise als Exil für die Rebellen einer phönizischen Kolonie in Nordafrika eingesetzt. Dies würde die 3,000 Jahre alten Ziegenknochen erklären.

2. Welle: nach dem Fall der phönizischen Kultur im östlichen Mittelmeer um 539 vor Christus, migriert die verbleibende phönizische Zivilisation nach Karthago und unternimmt große Expeditionen nach Westafrika, um den Verlust auszugleichen. Hanno der Seefahrer besucht die Inselgruppe während seiner Suche mit 60 Schiffen, fand es aber unbewohnt, obwohl er Ruinen entdeckte. Wahrscheinlich ließ er einige Kolonisten zurück um Farbstoff von den einheimischen Weichtieren zu extrahieren, bevor er weiterfuhr.

3. Welle: nach dem Fall von Karthago im Jahre 146 vor Christus, befahl König Juba II von Numidien (50-0 vor Christus), die Farbstoff-Anlage in Mogador (Essaouira im modernen Marokko) wieder zu installieren, und nordafrikanische Gefangene auf die Kanarischen Inseln zu transportieren, und um die Inseln zu erkunden. Dies würde zu der kürzlichen archäologischen Entdeckung auf Lobos passen.

Michel

Quelle: Herodot von Halikarnassos: "Geschichte"; Griechisches Periplus: "Die Reise Hannos, der Kommandeur der Karthager"; Fernand Braudel: "Die Perspektive der Welt"; Plinius der Ältere; Fregel Rosa: "Der demografische Geschichte männlichen Genpools der Kanarischen Inseln"; Wikipedia.